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Ein ,,Greenhorn" saust und drängelt sich zum Vizetitel

Nicolai Schwarzer mit seinem 60-PS starken VW Scirocco. Einen Führerschein hat Nicolai Schwarzer aus Johanniskirchen nicht, er ist ja auch erst 16 Jahre alt. Und trotzdem sitzt er Woche für Woche am Steuer eines 60-PS-Autos und gibt Gas - immerhin bringt er es im Schnitt auf 60 Stundenkilometer. Nicolai ist Stockcar-Pilot und wurde in seiner ersten Saison auf Anhieb bayerischer Vizemeister in der Juniorenklasse.


Zum Stockcar-Sport kam Nicolai Schwarzer nicht etwa durch Vater oder Freunde, sondern durch seine Cousine. Die startet für die Pit Bullz aus Künzing und weckte das Interesse von Nicolai für den rasanten Sport. Nicolai trat ebenfalls den Pit Bullz bei und vor einem Jahr kauften die Cousine und ihr Freund Nicolai einen alten VW Scirocco. Als die Saison dann startete, musste Nicolai beim ersten Rennen erstmal zuschauen, denn er war erst 15 Jahre alt, startberechtigt ist man aber erst mit 16. Dann das zweite Saisonrennen: Nicolai hatte überhaupt keine Fahrerfahrung, ,,das erste Mal fuhr ich erst im freien Training einen Tag vor dem Rennen", gesteht der 16-Jährige. Seine Premiere wird Nicolai wohl nie vergessen: ,,Ich habe den Start verschlafen und bin in der ersten Kurve gleich abgeschossen worden", weiß er noch. Doch am Ende sprang Platz 5 heraus. Im Lauf der Saison steigerte sich Nicolai Schwarzer immer mehr, gewann sogar das Rennen in Aldersbach. Lohn war der bayerische Vizemeistertitel. Dabei hatte so mancher Konkurrent schon mehr Erfahrung als das ,,Greenhorn". Und Nicolai fehlten die Punkte aus dem ersten Rennen, bei dem er nicht startberechtigt war.

,,Das Rezept beim Stockcar", so Nicolai Schwarzer, ,,ist es, die Balance zu finden zwischen Aggressivität, also Gas geben, und andere Autos zu zerstören", lautet sein Erfolgsgeheimnis. Was sich so martialisch anhört, sei im Grunde gar nicht so schlimm: ,,Verletzt habe ich mich noch nie". Vater Klaus Schwarzer verfolgt die Rennen immer als Zuschauer. ,,Beim ersten Mal mussten Freunde noch Händchen halten, um mich zu beruhigen", erinnert er sich. Inzwischen hat er keine Angst mehr um seinen Sohn, fiebert eher aus sportlicher Sicht mit. ,,Beim Stockcar ist Sicherheit höchste Priorität" , weiß der Vater mittlerweile. Das Vorurteil, Stockcar-Piloten seien alles ,,Narrische" teilt Klaus Schwarzer inzwischen überhaupt nicht: ,,Das sind alles ganz normale Leute, da fahren auch Polizisten, ein stellvertretender Landrat oder ein Staatsanwalt mit", hat der Vater festgestellt. ,,Das ist eine riesengroße Familie im Verein, es wird auch viel privat unternommen", weiß er seinen Sohn in guten Händen. Viel Geld musste Nicolai bislang auch nicht in sein Hobby stecken, ,,ich hatte noch keinen schweren Unfall." Ist doch mal etwas auszubeulen, so hilft er seinem Jugendbetreuer, bei dem der ,,Rennwagen" steht. Stockcar-Fahrer tauschen zudem Ersatzteile aus. Der Stockcar-Sport ist reine Liebhaberei, Profi kann Nicolai Schwarzer also nicht werden. Trotzdem scheint er eine Gemeinsamkeit mit erfolgreichen Fahrern aus anderen Motorsportbereichen zu haben: ,,Die Mädels stehen Schlange bei ihm", lacht Vater Klaus.
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